P2 bei den 24h von Spa: Interview mit dem Team

Unser RennWelten Pro Team hat es geschafft und mit dem 2. Platz beim 24h Rennen Powered by SimGrid ein fantastisches Ergebnis als Team erreicht. Wie haben sie das nur gemacht? Wir haben für euch nachgefragt.

Zu dem Team gehört auch Jardier (Jaroslav Honzik), der dazu noch viel Entertaining über seinen YouTube Channel während des Rennens gemacht hat und stets sehr entspannt hinter seinem Lenkrad saß, während er seine Stints fuhr. Dazu waren teilweise ca. 2500 Zuschauer dabei!

Victoria „Vicky“ Thomson: (lacht) Wenn Jardier sein DD (Fanatec Wheel Base) hat, wird er bestimmt nicht mehr so entspannt hinter seinem Lenkrad sitzen.
Samir Ibraimi: Man muss sich das mal geben, dass da, nachdem der eigentliche Stream zu Ende war, noch immer 400 Leute Chris und mir zuhörten. Jardier hat einfach eine krasse Community hinter sich stehen.

Wie ist es dazu gekommen, dass er mit euch zusammen unter der RennWelten Flagge gefahren ist?
Samir Ibraimi:
Das hat so vor ungefähr einem Dreivierteljahr angefangen, als wir mit Jardier ins Gespräch gekommen sind. Wir hatten uns damals verabredet, eine Team Meisterschaft zusammen zu fahren, bei einer anderen Community. Die Rennserie wurde allerdings nicht zu Ende gefahren, da sich die Community aufgelöst hatte, wir hatten uns aber darauf verständigt, auf jeden Fall nochmal etwas zusammen zu machen. So ist dann letztlich der Kontakt zustande gekommen und wir sind dann zu viert bei dem SimGrid World Cup zusammen das erste Mal gestartet.

Solch ein Event ist ja auch immer eine enorme physische, teils aber auch psychische Belastung. War es das erste 24h Rennen für euch?
Pro Team: Genau. Es war unser erstes 24 Stunden Rennen.
Samir: Das Gute an so einem 24 Stunden Rennen ist halt auch, dass man immer auch was wieder gut machen kann, wenn es in den ersten zwei bis drei Stunden nicht richtig läuft. Wenn Du da mal einen Rückschlag hast, hast du aber auch wiederum noch ca. 21 Stunden Zeit um das wieder gut zu machen.

Wie habt ihr euch eigentlich auf das Rennen mental vorbereitet und wie viel Schlaf habt ihr wirklich bekommen während des Rennens? Gefühlt ward ihr ja fast immer auch im Discord Chat zu lesen. ?
Samir: Ähm, ich hatte gar keinen Schlaf! *lacht*
Chris: Bei mir waren es zwei Stunden und Vicky, Du hattest ja sogar bis morgens um 5 Uhr durchgemacht oder?
Vicky: Ich bin so ca. um 6:30h ins Bett gekommen und konnte auch wirklich fünf Stunden durchschlafen.
Chris: Wir haben das auch ganz bewusst so eingeteilt, weil die Vicky ist so eher die Nachteule und der Samir und ich sind da eher die Frühaufsteher, übrigens auch am Wochenende.

Beim ersten Start gab es wegen dem Massencrash kurz nach Eau Rouge die Red Flag. Ich konnte es im Stream leider nicht genau sehen, wo ihr da ward. Wie groß war der Schock und hatte es euch auch getroffen?
Samir: Also ich bin ja den Start gefahren. Ich habe dann schon gesehen von Eau Rouge hoch zur Radillon, dass sich dort ein Bentley weggedreht hatte und habe daraus antizipiert wo er hin driften könnte. Ich habe mich dann für die rechte Seite entschieden, was ganz gut funktioniert hat. Ich bin dann weitergefahren und habe aber auch nicht so richtig mitbekommen, was hinter mir passiert ist.

War die Red Flag gerechtfertigt?
Samir: Ja okay, wenn das halbe Feld da schon involviert ist. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man das auf jeden Fall machen. Wir erinnern uns sicher alle noch an das Formel 1 Rennen, bei dem es gleich am Start einen riesigen Crash gab.
Chris: Ja, das war 1998, glaube ich.

Ja und der teuerste Schrotthaufen EVER! Dann kam aber auch schon die Red Flag und das Rennen wurde letztlich neutralisiert.
Nach dem Neustart des Rennens lief es ganz gut für euch. Samir hatte den Start gefahren.
Wie waren die ersten Runden für dich, Samir, und wie waren die Wetterverhältnisse für euch auf der Strecke? Das ist schon auch ein tolles Feature von ACC. Wie funktioniert das eigentlich?
Vicky: Ja, es ist so, dass Du einen dynamischen Teil festlegen kannst. Du gibst praktisch die Grundbedingungen an, wie viele Wolken zum Beispiel da sind und von da an arbeitet das Game allein. Das hebt ACC (Kunos) auch gern hervor, dass sich das Wetter allein weiterentwickelt. Niemand kann das also vorhersehen.
Wir hatten ja auch einen Practice Server, der genauso lief und wir jeder für uns immer wieder unterschiedliche Wetterbedingungen hatten. Ich hatte zum Beispiel fast ausschließlich schwierige Bedingungen, Samir hatte, glaube ich, sogar ein paar trockene Stints und bei Chris hat es wieder sehr stark geregnet. Also komplett unterschiedliche Verhältnisse.

Es ist ja viel passiert während des Rennens, auch viele Abflüge grad auch im Bereich Eau Rouge. Ich hatte gelesen, dass euer Setup eher auf die Mischbedingungen (feucht, schmierig) ausgelegt war.
Warum habt ihr euch letztlich für diese Setupvariante entschieden?
Chris: Man kann ja während dem Rennen nicht mehr viel ändern, außer den Reifendruck und deshalb haben wir uns bewusst für diesen Kompromiss entschieden. Also, dass wir im Trockenen einfach 3-5 Zehntelsekunden langsamer sind, aber im Regen oder bei Mischverhältnissen (feuchte oder schmierige Strecke) dann viel schneller sind. Vor allem auch, weil der Audi (auch der Lambo) in Eau Rouge mit das am schwierigsten zu fahrende Auto ist. Der fliegt dort einfach schnell ab. Sicherheit ging uns da vor.
Im Prinzip genau das, was wir uns vorgenommen haben: Sicherheit und Abflüge vermeiden. Deshalb dieses Setup.

Ihr konntet euch dann irgendwann bis in die Top 5 vorarbeiten, aber nach ca. 2 Stunden hatte Jardier eine kurze Schrecksekunde, als der T20 in der Chicane gedreht wurde.
Wie war das in dem Moment für euch? Hatte das Fahrzeug einen Schaden und wie entscheidet man, wie weit man das Auto wieder repariert?
Chris: In diesem Fall war der Schaden nicht so stark. Es kommt halt immer darauf an, was kaputt ist. Man kann das auch ganz gut sehen, wenn man die Zeit herunter rechnet, die man für den eigentlichen Stopp benötigt und die Differenz ist dann halt die Reparaturzeit. Man macht die Reparatur davon abhängig, was der Fahrer für ein Gefühl mit dem Auto hat und was wir noch für Rundenzeiten damit schaffen.
Wir hatten aber schon vor dem Rennen festgelegt, das wir in den ersten 12 Stunden des Rennens eigentlich jeden Schaden reparieren lassen wollten. Dazu war uns auch allen klar, dass jeder mal einen Abflug haben kann, das haben wir alles schon mit einkalkuliert.
Auch haben wir nach ca. 14 Stunden erst unsere Bremsen gewechselt. Ja, und nach ca. 12 Stunden hatten wir auch schon die Warnleuchte des Motors an, so dass wir anfingen, früher herunter zu schalten.

Nach dem super Start von Samir und Jardier, der gedreht wurde und sich wieder zurück in die Top 10 gekämpft hatte, warst Du, Chris, an der Reihe mit dem ersten Doppelstint. Du hattest dann auch ein wahres Feuerwerk gezündet und bist sogar bis auf P2 vorgefahren.
Hattest Du das erwartet und wie war das Gefühl zu merken, dass scheinbar die Setupwahl genau hingehauen hat zu diesem Zeitpunkt, an dem es, glaube ich, auch noch feucht auf der Strecke war?
Vicky:
Ich glaube, jeder von uns hat mehr Spaß bei schlechteren Bedingungen der Strecke.
Samir: Wir hatten auch ca. 12 Presets vorbereitet für alle möglichen Streckenbedingungen, was auch eine Besonderheit ist bei ACC.

Die Presets werden im Setup eingerichtet, z.B. eines für Regenreifen, eines für Trockenreifen, und diese nochmals mit jeweils unterschiedlichen Reifendrücken vorbereitet. Sie können dann im Cockpit mit einem Klick ausgewählt werden (Anmerkung der Redaktion).

Nachdem Jardier seine Stints gefahren ist, bist Du, Vicky, auch zum ersten Doppelstint ins Auto gestiegen. Es gab dann ein paar kleinere Probleme, Du hattest es ja auch im Chat nach deinen Stints geschrieben, als Du kurz das Auto in Eau Rouge verloren hattest.
Was geht einem in dem Moment durch den Kopf und wie bist Du und das Team damit umgegangen? Wie hoch war der Schaden und musstet ihr den beim Pit Stop reparieren?
Vicky: Ja, ich weiß nicht so richtig, was ich da zu sagen soll. Nach den sehr starken Stints meiner Vorfahrer war der Druck natürlich schon nicht gering und alle sagten auch „pass’ auf in den ersten Runden, das Auto macht da sehr komische Dinge!“. Also habe ich mir gedacht, ich passe in den ersten Runden sehr auf und lupfe in Eau Rouge einfach ein wenig früher, als ich es normal tun würde, um ein wenig langsamer durchzufahren. War leider nicht die allerbeste Idee, denn mir ist das Heck weggekommen und man hat mich in Jardiers Stream auch gar nicht fluchen gehört, weil Du schon weißt, das Auto ist einfach weg und kannst nichts mehr tun, außer warten. Es war mir sehr unangenehm und peinlich. Es ist mir danach auch nie wieder passiert, aber was das mental mit einem macht, ist schon enorm, vor allem mit den ganzen Zuschauern bei Jardier. Vor allem, weil Du auch weißt, wie Du das Auto übergeben bekommen hast, denn wir waren zu diesem Zeitpunkt rund 19 Sekunden hinter dem führenden Team nach dem Pit Stop.
Chris: Da ist dann auch das Team gefragt und nicht Vicky alleine. Da sehen wir uns alle dann auch in der Pflicht. Da gab es niemand, der da gemeckert oder geflucht hat von den anderen Fahrern im Team. Man muss sich da auch als Team supporten.
Vicky: Das war auch ganz wichtig, in diesem Moment miteinander zu sprechen und zu spüren, dass man da nicht allein ist, sondern dass das Vertrauen auch weiterhin da ist.

Du hast dich ja dann wieder toll zurück gekämpft!
Vicky: Ja, der Abstand zur Spitze blieb dann auch stabil. Ich konnte gute Rundenzeiten fahren und die Bedingungen auf der Strecke kamen mir dann auch sehr entgegen. Es fing wieder leicht an zu regnen und das Auto hat uns allen dann auch richtig gut gelegen, so dass auch Jardier weiter tolle Stints hingelegt hatte.

Samir, Du warst dann der erste, der drei Stints gefahren ist. Wie anstrengend war das und was hast Du alles erlebt?
Samir: Ja eigentlich waren die Stints in Bathurst viel anstrengender als hier in Spa. Ich habe mich schon sehr drauf gefreut, aber erste Stint war auch schwer, denn die Strecke war zu diesem Zeitpunkt recht schmierig. Dann trocknete die Strecke immer weiter ab und ich habe dann während des Stints auch viel zu hohen Reifendruck bekommen. Der lag so bei ca. 29 PSI, obowhl Du maximal 28 PSI haben darfst. Der zweite Stint ging dann aber, weil die Strecke komplett trocken war und wir den Reifendruck dann auch entsprechend angepasst hatten. Der dritte Stint war genauso und eigentlich hätte ich sogar noch einen weiteren Stint fahren können, aber ich wollte die Vicky auch nicht zu lang warten lassen. Es war nicht so anstrengend eigentlich.

In den Morgenstunden, als ich dann zu meiner Schande doch mal ein paar Stunden gepennt hatte, ist es dann zu einem Unfall gekommen, auch wieder im Bereich der Eau Rouge und ihr hattet dadurch wohl auch eine Reparatur von ca. 17 Sekunden. Samir, Du hattest da, glaube ich, im Auto gesessen. Im Chat hatte man deine Wahnsinnsreaktionszeit bewundert, als Du dem vor Dir quer stehenden Fahrzeug ausgewichen bist. Das hätte auch locker das Ende bedeuten können! Erzähl mal, was da los war.
Samir: Ja, es war mein letzter Doppelstint und es war auch noch eine halbe Stunde bis zum regulären Boxenstopp. Ich wolle nichts mehr riskieren und bin nur meinen Stiefel runtergefahren. Dann sah ich vor mir einen Porsche sehr komisch abfliegen und bin dann schon etwas vom Gas gegangen instinktiv. Ich konnte auch nicht erahnen wie der in die Bande einschlägt und dann wieder zurück auf die Strecke rutscht. Dummerweise konnte ich in Eau Rouge auch nicht so stark bremsen, das wussten wir von Vickys Erlebnis. Ich bin dann, als ich näher gekommen bin, doch voll in die Bremse gegangen, was aber nicht mehr ganz gereicht hat und habe den Porsche dann doch noch leicht getroffen. Das war herzzerreißend, denn Du fährst da 6h ohne Probleme und dann passiert das so kurz vor dem Ende des Rennens. Aber wir sind da nochmal glimpflich mit einer relativ kurzen Reparatur rausgekommen.

Dann kam die Endphase mit weiteren super Stints von Jardier, dem man auf seinem YouTube Channel nicht mal angesehen hat, dass er grad fast nen 24h Rennen hinter sich hatte. Wahnsinn!
Chris, Du hattest dann das Vergnügen, die letzten Stints zu fahren und im Chat fiel ab und an das Wort „Maschine“ in Verbindung mit deinem Namen. ? Also Chris „The Machine“ Hoeke, was sagst Du zu deiner Verteidigung? Wie war es, am Ende den Fight um P2 letztlich für euch entschieden zu haben, denn Du hast da wirklich ein Feuerwerk an Rundenzeiten gezündet?
Chris: Ja OK, den Begriff „Maschine“ kann man schon gelten lassen, denn das war gefühlt ein Roboter Stint. Man kann das nicht richtig erklären, aber jeder Racer weiß das. Ich hatte einfach einen unheimlichen Willen und wollte nichts anderes auf dieser Welt, als Platz 2 zu holen. Ich hatte dann auch meine Teamkollegen gebeten, nicht zu viel zu sprechen. Es war einfach Tunnel angesagt! Das Wort Maschine nehme ich da auch eher positiv gemeint auf. Man hat halt ein paarmal im Jahr so ein Erlebnis, wo einfach alles zusammen passt. An diesem Tag war es glücklicherweise so!
Es war am Ende aber auch eine ganz besondere Teamleistung, denn die 5 Sekunden, die ich habe rausfahren können, wurden im Prinzip schon vorher durch immer optimale Pit Stops, bei denen wir auch stets Zeit gewinnen konnten, vom gesamten Team erarbeitet.
Nicht zuletzt war auch ein Grund, warum ich so viel pushen konnte, der, dass das gesamte Team vorher nur 2 INC gesammelt hatte und ich damit in der Endphase nicht mehr darauf achten brauchte. Ich konnte mir ja noch einen Cut leisten, bevor wir eine Drive Through bekommen hätten.

Vielen Dank und nochmals Gratulation zu diesem tollen Erfolg letztlich auch für die gesamte RennWelten Community, die mit euch gefiebert hat!

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