Kolumne: Pestilenz und Resilienz

„Wir sind in einer Krise“ – kaum eine Saison vergeht, in der der RennSport nicht mal wieder eine Krise ausruft. Zu sehr reguliert, zu wenig reguliert, oder zu viele Hersteller, zu wenige, zu dies, zu das… manchmal muss man schon arg lachen, aber eben auch weinen. Dabei ist die Lösung gar nicht so schwierig, glauben wir. Lest mal weiter und gebt uns Feedback, ob wir auf dem Holzweg sind.

Was ist denn los mit den Petrolheads? Können wir nicht einfach mal unseren Sport genießen, ohne dessen Untergang herauf zu beschwören? Nein, können wir nicht. Das liegt aber nicht etwa in der Sache begründet, vielmehr ist es ein selbst gebasteltes Dilemma: Man nehme einen Sport, der qua Kosten und sonstigen Möglichkeiten recht elitär ist (oder war).

Dazu nehme man eine Berichterstattung und Lizensierung, die sich eher abschottet, „Exklusivität“ hoch hält und paart diese Melange ihrerseits mit dem Testosteron geschwängerten Heldenkult: Schwupps ist eine Atmosphäre geschaffen die in den Bann zieht und begeistert – aber eben auch gnadenlos ausgrenzt. Survival of the fittest at it’s best oder worst!

In dieser Atmosphäre wird alles genau beäugt und jede noch so kleine Chance genutzt – bis zu dem Punkt, indem ein WM Kampf in einer selbsternannten Königsklasse (kurze Anmerkung: Nicht etwa Könige des Sports im Sinne von Spannung und Entertainment, sondern simpel die schnellste und vor allem der TEUERSTE Form des RennSports… reicht das schon für die Krone?) eine reine Farce, ja ein reines Politikum wird! Sorry guys – das ist doch lächerlich! Eine DTM, die ein Pseudo-Marken-Schachspiel ist und ein millionenschweres Prototypenspektakel fernab der öffentlichen Wahrnehmung.

Wenn der geneigte Fan sich dann vor Ort einfindet wird er wie Vieh durch Gatter mit Plänchen, bunten Bändchen und wichtig schauenden Ordnern „gebändigt“. Ferngehalten von VIP-Zeltchen, Fahrern und Boxen. Hat dieser „geneigte Fan“ dann auch noch die Ambitionen selber RennSport (real oder digital) zu betreiben, ist die höchste Anerkennung die er/sie bekommen kann, ein mildes Lächeln und heuchlerisch vorgetragenes Interesse „der Hüteren“- bis zum nächsten Champagnerchen im VIP-Zelt eben dieser. Das alles ist selbst gebaute Pestilenz in einer Zeit, in der Partizipation alles, das Angebot zur Zerstreuung unendlich und die digitale Gestaltungsfreiheit unendlich ist.

Aha, okay. Und nun? Lasst uns für unseren Sport eine Resilienz aufbauen! Wie wir das hinbekommen? Sehr „einfach“:

Unsere zwei zentralen Thesen für einen neuen RennSport:

1. Real? Digital? Scheißegal!
Dahinter verbirgt sich simpel die Idee, dass wir alle den gleichen „Nagel im Kopp“ haben und RennWelten dafür kämpft Grenzen zu überwinden. Männlein oder Weiblein, Sim oder Volant, PRO oder AM, arm oder reich – all das sollte keine Rolle spielen, wenn es um die gemeinsame Leidenschaft geht! Dafür kämpfen wir! Konkret:

2. RennSport als BreitenSport!
Noch nie war es so „einfach“ RennSportler zu sein. Dazu muss aber eine Kultur entstehen, in der man sich gegenseitig hilft und unterstützt. Egal ob Tipps, Setups oder Motivation. ZUSAMMEN können wir das schaffen, was im Fußball lange schon gang und gäbe ist: Die gemeinsame Freude am Sport ist das Wichtigste!

RennDakteur: Andrej Rappe